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Was es bedeutet, im ärmsten Land Südamerikas zu leben, ist für europäische Breiten schwer vorstellbar. Was es aber heißt, in der ärmsten Stadt dieses ärmsten Landes auf der Straße zu leben, ist mit Worten kaum erklärbar.

In diesem Großstadt-Dschungel gibt es eine Gruppe ganz klarer Verlierer: die Kinder und Jugendlichen, die in El Alto, Bolivien auf der Straße überleben müssen.

Eingekreist von Gewalt, Verbrechen, Schmutz und Verachtung, kommt ein lautes Signal von Seiten der Kinder: Wir wollen leben! Und zwar weg von derStraße. Wir wollen in die Schule gehen, lernen,spielen und lachen.

Mit Maya Paya Kimsa gibt es einen Hoffnungsschimmer.
Gegründet vom Haslacher Sozialarbeiter Martin Berndorfer, werden die Kinder motiviert, begleitet und unterstützt um einen Weg raus aus dem Elend der Straße zu finden.

Maya Paya Kimsa ist ein Projekt für Straßenkinder in El Alto, das den Kindern erleichtern soll, den Einstieg in eine Wohneinrichtung zu schaffen. Denn auf Grund der – notwendigerweise – relativ engen Regeln in den Heimen entsteht eine sehr große Kluft zwischen Straße und Heim. maya – paya – kimsa kann hier als ein offenes Tageszentrum und Streetworkprojekt eine Art Brücke bilden, da durch die offene Ausrichtung es auch möglich wird, mit weniger Regeln auszukommen.

Laut den Daten von UNICEF leben in den Städten von Bolivien ungefähr 3.700 Kinder und Jugendliche auf den Strassen. Weitere 300 000 stehen in hohem Risiko, ein ähnliches Schicksal zu erfahren. Mit Maya Paya Kimsa sind wir nicht bereit dazu, diese Tatasache einfach so hinzunehmen. Seit 2003 sind wir taeglich auf den Strassen von El Alto unterwegs, um mit professioneller Strassenarbeit die Kindern und Jugendlichen auf ihren Weg in eine bessere Zukunft zu begleiten.

Unser multiprofessionelles Team stellt ein Werkzeug auf dem Weg der Kinder dar. Wir haben keine Patentlösungen für alle Probleme, aber wir haben viel Kreativität, professionelle Methoden, Geduld und menschliches Einfühlungsvermögen, um die Kinder und Jugendlichen dahin bringen zu können, dass sie selber eine Lösung für ihr Problem finden – aus eigener Entscheidung heraus und aus eigener Kraft.

 Ein neuer Ansatz für einen Ausweg

Der Sprung von der Straße in ein Heim, oder zurück in ihr Elternhaus ist oft zu groß, um ihn allein und ohne Begleitung schaffen zu können. Darum setzt Maya Paya Kimsa vorher an. Über verschiedene Aktivitäten direkt auf der Straße suchen wir den Zugang zu den Kindern und Jugendlichen. Die offene und respektvolle Form der Annäherung ist ein entscheidender Punkt im Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zwischen den Betreuer/innen und den Kindern und Jugendlichen, Maya Paya Kimsa sieht seine Funktion weit weg von der oft üblichen „Rundum-Versorgung“ der Kinder auf der Straße. Wir haben keine Schlafmöglichkeit, es gibt keine Kleider, kein Essen – Faktoren, die den Kindern das Leben auf der Straße erleichtern und so die Motivation für eine Kursänderung sinken lassen würden. Vielmehr soll über eine intensive Einzelbetreuung eine nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände erreicht werden.

Maya Paya Kimsa ist die einzige Einrichtung in Bolivien, die sich ausschließlich auf professionelle Straßenarbeit mit Kindern und Jugendlichen konzentriert und die Aktivitäten auf die Straße verlegt.

 Spielend in ein neues Leben einsteigen

Um die Aufarbeitung der schwierigen Situation auf der Straße so wenig traumatisch wie möglich zu gestalten, wird mit Spielen und dynamischen Gruppenaktivitäten gearbeitet. Dabei wird immer die Verbindung zum aktuellen Leben hergestellt. Aber vor allem können sie wieder das sein, was ihnen durch das harte Leben auf der Straße vorenthalten wird: KINDER!

 Schrittweise eine neue Perspektive finden

Über verschiedene Prozessstufen wird mit den Kindern und Jugendlichen an einer positiven Vision der Zukunft gearbeitet. Ein konkretes Lebensprojekt hilft den Kindern, einen Überblick über den Ernst der Lage zu bekommen – und gleichzeitig die verschiedenen Möglichkeiten eines Ausweges zu finden. All das basiert auf absoluter Freiwilligkeit seitens der Kinder, da nur mit dem echten Willen eine langfristige Lösung gelingen kann. Mit einer psychosozialen Auswertung und Begleitung wird nach der besten Lösung gesucht und der Bub oder das Mädchen auf den Heimeinstieg vorbereitet.

Vom Tauchgang zum Tageszentrum

Über tägliche Rundgänge, so genannte Buceos (Tauchgänge), wird ständig Kontakt zu der Zielgruppe gehalten und so früh als möglich der Kontakt zu neuen Kindern hergestellt. Ständiger Begleiter ist ein Erste-Hilfe-Koffer zur Versorgung von Wunden und leichten Verletzungen. Mehrmals pro Woche, zu fixen Tages- und Nachtzeiten, gibt es ein von Maya Paya Kimsa organisiertes Straßentreffen. Diese bestehen aus Spiel, Themenarbeit und Gemeinschaftsförderung. Im Tageszentrum vom Maya Paya Kimsa gibt es viele verschiedene Spielmöglichkeiten, aber es wird auch in täglichen Arbeitseinheiten mit der gesamten Gruppe zu wichtigen Themen gearbeitet. So werden die Kinder auf eine positive Weise zum Verlassen der Straße motiviert und auf einen Heimeinstieg vorbereitet.

Unsere weiblichen Mitarbeiterinnen stellen vor allem für die Mädchen und jungen Frauen eine Ansprechmöglichkeit dar.

Was leistet Maya Paya Kimsa?

Als zentrales Element, das oft in seiner Wichtigkeit unterschätzt wird, gibt es bei Maya Paya Kimsa ein offenes Ohr für die Kinder und Jugendlichen. Unsere professionellen Betreuer/innen haben Zeit für die Kinder und nehmen ihre Sorgen, Ängste und Probleme ernst. Außerdem gibt es konkrete Unterstützung bei einem Ausstieg aus dem Leben auf der Straße, gesundheitlichen Problemen, der Erstellung von Identitätsdokumenten, der Suche nach einer Möglichkeit zur Bewältigungder aktuellen Situation, Schwangerschaft,…

Projektbeschreibung

Mit Maya – Paya – Kimsa (in der Folge MPK) bekommt die erste Etappe (Kontakaufnahme, Vertrauensbildung) der Arbeit mit Straßenkindern eine konkrete Gestalt. Was bislang eher nebenher und auf Basis freiwilliger HelferInnen geschah, soll eine Aufwertung bekommen, indem es als eigenständiger Bereich etabliert wird. So bekommt auch der niederschwellige Teil der Struktur die Möglichkeit, einen professionellen Kontext zu entwickeln. Wichtig an dieser Stelle ist, zu erwähnen, dass damit in keinster Weise die bisherige Arbeit der freiwilligen MitarbeiterInnen geschmälert werden soll, sondern es darum geht, das Angebot auszuweiten und die Vorgangsweise um professionelle Methoden und Ressourcen zu erweitern. Erwähnenswert erscheint mir hierbei vor allem die ständige Reflexion der eigenen Arbeitsweise.
Ausgehend von den zwei Kernbereichen – Arbeit auf der Straße und Tageszentrum – soll Straßenkindern der Zugang zur nächsten Stufe, das heißt der Eintritt in ein Heim erleichtert werden. Auf der Straße soll ähnlich wie bisher, jedoch mit höherer Frequenz und hundertprozentiger Kontinuität, der Kontakt zu den Kindern hergestellt werden. Die nun eigentliche Neuerung besteht in der Einrichtung eines Hauses vom Charakter eines Tageszentrums, welches als Anlaufstelle fungieren soll. Es handelt sich um ein „offenes Haus“, das heißt, es steht grundsätzlich allen Kindern zur Verfügung, Angebot und Betreuung sind jedoch für Straßenkinder ausgelegt (vgl. Zielgruppe). Im Mittelpunkt steht der Aspekt der Tagsstrukturierung. Die Kinder sollen die Möglichkeit haben, ein bestimmtes Freizeitangebot in Anspruch zu nehmen, ohne dafür eine Verpflichtung eingehen zu müssen. Wann, für wie lange und wie oft sie das Angebot annehmen, bleibt ihnen überlassen.

Es gibt keine Übernachtungsmöglichkeit, auch keine Notschlafstelle. Äußert ein Junge oder ein Mädchen den Wunsch, in eine stationäre Einrichtung aufgenommen zu werden, wird in der Funktion des Beraters bzw. Vermittlers agiert um die bestmögliche Lösung für das Kind zu erreichen.

 Ausgangslage

Die Arbeit mit Straßenkindern in La Paz beschränkt sich hauptsächlich auf den stationären Bereiche. Je nach Einrichtung gibt es verschieden hohe Eintrittsschwellen, jedoch überall Regeln, die zu befolgen sind. Jetzt ist es in der Praxis der Heime sehr oft der Fall, dass ein Junge oder ein Mädchen kommt und aufgenommen wird, aber innerhalb weniger Tage wieder wegläuft, da der Wechsel von der Straße in das Heim einen zu großen Bruch darstellt. Auf einmal werden Dinge nicht mehr akzeptiert, die noch vor kurzem überlebensnotwendig waren (Clefa, Gewalt, etc.). Ist der Wille zum Ändern des eigenen Lebenswandels nicht felsenfest, bleibt nur in der Flucht der einzige Ausweg aus der Situation. Auf Dauer ergibt sich das Problem, dass durch solche Kurzaufenthalte der gesamte Heimbetrieb gestört wird, da Ein- und Austritte immer auch Auswirkungen auf die restlichen Kinder haben. Auch die Arbeit von BetreuerInnen, PsychologInnen und SozialarbeiterInnen wird dadurch erschwert.

MPK wäre die erste derartige Einrichtung in La Paz bzw. El Alto. Auch hier gibt es Regeln zu befolgen, jedoch sind diese weiter gefasst. Ein Verstoß zieht auch eine Sanktion nach sich, doch durch den offenen Charakter der Einrichtung wird der Ablauf durch das Kommen und Gehen nicht gestört, im Gegenteil, es gehört zum Profil von MPK.

Eine Vielzahl von Straßenkindern bleibt vom derzeitigen System unberücksichtigt, da die weiter oben beschriebenen Charakteristika (vor allem Psychologische Aspekte und Sozialverhalten) eine derart schwere Ausprägung aufweisen, das sie in jedem Programm durchfallen. Über MPK hat man die Möglichkeit diesen Kindern zumindest eine Begleitung anzubieten und eine Befriedigung der untersten Grundbedürfnisse (waschen, Frühstück, etc.) zu ermöglichen.

 Grundwerte

Grundhaltung zum Thema „Niño de la calle“
Ein Kind, dass von zu Hause wegläuft ist sich der harten Realität auf der Straße sehr wohl bewusst, nimmt sie aber in Kauf, da sie immer noch eine Verbesserung im Vergleich zur Situation in der eigenen Familie darstellt. Das heißt bei den zahlreichen in der Literatur angeführten Erklärungsmodellen greife ich eher auf das systemische Erklärungsmodell zurück, welches die Ursache nicht im einzelnen Kind oder Elternteil sieht, sondern wo die Struktur als Ganzes sich für das Verhalten des Kindes verantwortlich zeigt. Im starken Gegensatz dazu steht der sogenannte romantische Ansatz. Hier geht man davon aus, dass das Leben auf der Straße ein Ausdruck der Persönlichkeit der Straßenkinder ist (vgl. C.5.2. Erklärungsmodelle).
Für das Kind ist das Weglaufen in dem Moment wo es geschieht, die letzte und einzig Möglichkeit, die Situation zu bewältigen. Dies muss vom ersten Moment an als solche wahr- und angenommen werden. Denn wie auch Ben Furman in seinem Buch „Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben“ zum Ausdruck bringt, können Kinder schwere Schicksalsschläge sehr gut verarbeiten. Wird die Bewältigungsstrategie von der Betreuungsperson entsprechend wertgeschätzt, kann auch das Kind einen positiven Zugang zu seinem eigenen Handeln entwickeln und stärkt somit das Selbstvertrauen und den Glauben in sich selbst. (vgl. Furman 2001. S. 50.).
Positive Einstellung zum Thema
Das Buch von Furman bringt auch einen weiteren entscheidenden Aspekt ein. Dazu möchte ich aus dem Klappentext zitieren:

„Hier stellt Ben Furman den Mythos in Frage, nach dem unser ganzes Leben entscheidend davon abhängt, wie unsere Kindheit verlaufen ist.

(…)

Es hilft uns, unsere Vergangenheit als eine Quelle der Kraft zu begreifen und nicht als Ursprung aller Probleme. Es ist ein Buch, das Hoffnung erweckt, uns positiv einstimmt und klarmacht, dass niemand ein Gefangener seiner Vergangenheit zu sein braucht.“

Hier kommt meiner Meinung nach etwas sehr Entscheidendes zum Ausdruck, ohne das die Arbeit mit Straßenkindern in letzter Konsequenz ad absurdum zu führen wäre. Denn geht man davon aus, dass nur die Erlebnisse der frühen Kindheit das gesamte Leben in markanter Weise prägen und einen Weg bereits vorzeichnen, der nicht mehr korrigierbar ist, könnte man bei Straßenkindern nicht einmal wirkliche Schadensbegrenzung erreichen. Mit einem umfassenden Programm, welches auf die oben beschriebenen Charakteristika Rücksicht nimmt und sie einbezieht, kann jedoch sehr wohl eine Lebensbewältigung im positiven Sinne möglich sein.

Ressourcenorientierung
Diese positive Sichtweise sehe ich als unumgänglich in der Arbeit mit Straßenkindern, welche einher geht mit dem Glauben an die Ressourcen der Kinder. Verschiedene Handlungsweisen der Straßenkinder (wohlgemerkt nicht alle) können, auch wenn sie auf den ersten Blick als dissozial erscheinen, positiven Charakter bekommen, wenn sie richtig genutzt werden. Die Kreativität und Fingerfertigkeit etwa, in Bezug auf Beschaffen von Nahrungsmittel und Schlafplätze, auch wenn sie oft den Weg der Legalität verlässt, ist bemerkenswert.
Ernst nehmen
„Du bist willkommen! Und zwar genau so wie Du jetzt bist!“ muss ein weiterer Grundsatz in der Arbeit sein. Es ist wichtig, dem Kind mit Respekt gegenüberzutreten und es ernst zu nehmen, so wie es momentan ist, auch wenn dies bedeutet DiebIn, Klebstoff-schnüfflerIn, BettlerIn, BetrügerIn, LügnerIn, SchlägerIn, etc. Die Verhaltensweisen des Kindes werden als Tatsache zur Kenntnis genommen, ohne sie zu bewerten, was aber umgekehrt nicht heißen muss, dass sie auch für gut angesehen werden.
3.5. Wertschätzung
Jede und jeder hat das Recht auf Wertschätzung und Aufmerksamkeit von Seiten aller Anwesenden, aber vor allem der BetreuerInnen, sei sie aktiver oder passiver Natur.

Freiwilligkeit
Jedes Kind kommt freiwillig und kann auch jederzeit wieder gehen. Es muss sehr genau darauf geachtet werden, dass keine Art von Druck ausgeübt wird, vor allem wenn es darum geht, ob das Kind in ein Heim möchte. Gefahr birgt hier die Tatsache in sich, dass der Druck unbewusst entstehen kann: Das Kind will der/dem BetreuerIn eine Freude machen und geht ins Heim, obwohl es selbst noch gar nicht bereit ist für einen solchen Schritt.

Individuelle Freiheit
Jede Besucherin und jeder Besucher hat das Recht, sich ihren oder seinen individuellen Freiraum zu nehmen. Die Freiheit der/des Einzelnen hört aber an jenen Punkt auf, wo sie die der/des Anderen einschränkt. Daher ist es notwendig, Regeln festzulegen. Aufgabe der BetreuerInnen ist es, diese einzufordern und den Ablauf so zu gestalten, dass alle sich wohlfühlen können.

Abgrenzung
Hier handelt es sich zweifellos um einen sehr schwierigen und kritischen Punkt. Als BetreuerIn wird man ständig mit Bitten um Geld, Essen, etc. konfrontiert, welche einem Kind auf der Straße oft sehr schwer abzuschlagen sind. Es soll daher noch einmal betont werden, dass das Konzept von MPK sehr niederschwellig und das Angebot daher auch bewusst sehr beschränkt ist. Ein breiteres Angebot kann nur in Verbindung mit einem erhöhten Maß an Verbindlichkeit gewährt werden, etwa von Heimen. Das willkürliche Geben von Geld oder ähnlichem muss daher als kontraproduktiv gesehen werden. Im Rahmen einer Betreuung bzw. Einzelfallarbeit kann diese Form der Unterstützung jedoch im individuellen Fall durchaus als sinnvoll gelten, die Voraussetzungen müssen aber sehr genau geprüft werden.

Ziele und Aufgabenfeld

Durch die Niederschwelligkeit der Einrichtung sollen Straßenkinder erreicht werden, die vom bisherigen Angebot nicht angesprochen wurden. So sollen die Hilfsangebote einer breiteren Schicht an Kindern geöffnet werden, die vorher entweder nicht davon wussten oder sie aus Berührungsängsten nicht in Anspruch nehmen wollten.
· Durch den langsameren Übergang von der Straße in MPK soll dem Niño de la calle der Einstieg in eine Wohneinrichtung erleichtert werden. Das Kind soll in einem freien und ungezwungenen Rahmen Bekanntschaft machen mit gewissen Grundregeln des Zusammenlebens in einer Gruppe, was ihm dann nachher zugute kommen soll. Außerdem soll dem Kind im Gespräch klar und ehrlich vermittelt werden, was im Heim auf es zukommt – mit all den Vorteilen und guten Dingen, aber auch mit Regeln und Anforderungen. So soll ein realistisches Bild der Einrichtung entstehen.

· Trifft ein Kind die Entscheidung, den Lebenswandel zu ändern und in ein Heim zu gehen, soll hier die ganze Palette an Einrichtungen in Betracht gezogen werden. So soll man im individuellen Fall die beste Lösung finden, in Hinsicht auf Geschlecht, Alter, Anforderungen (Drogen, etc.). Ich möchte hier ausdrücklich erwähnen, dass MPK zwar in das Gesamtprojekt Alalay eingegliedert werden soll, die Vermittlung aber auf keinen Fall nur in diese Richtung passieren darf. Vielmehr muss ein guter Kontakt zu allen Institutionen bestehen, um so nie das Interesse der Einrichtung über das Wohl des Kindes zu stellen.

· In der Praxis kommt es des öfteren vor, dass Kinder als Sanktion für eine bestimmte Zeit vom Heim suspendiert werden. Im Regelfall bedeutet das, die Arbeit mit dem Mädchen/Jungen ist verloren und es muss bei ihrer/seiner Rückkehr bei null begonnen werden. Durch einen regelmäßigen Kontakt über MPK soll es möglich sein, bestimmte bereits erlernte Verhaltensmuster zu erhalten, wobei man realistischer Weise sehen muss, dass die einzige Überlebensmöglichkeit meist darin besteht, sich mit betteln und stehlen den Lebensunterhalt zu besorgen. Sollte es im nachhinein zu einer Rückfrage über das Mädchen/den Jungen kommen, so wird nur Auskunft gegeben, wenn dies vorher vereinbart wurde. Hier muss sehr genau auf die eigene Glaubwürdigkeit den Kindern gegenüber geachtet werden, Informationen können nur mit deren Einverständnis weitergegeben werden.

· Da MPK auf einer anderen Ebene ansetzt wie die weiteren Projekte, bietet sich hier die Chance, als Koordination für eine Vernetzung der Einrichtungen zu fungieren. Über einen regelmäßigen Arbeitskreis sollen Erfahrungen ausgetauscht werden und in weiterer Folge eine Art Lobby für die Straßenkinder entstehen.

In Anbetracht der aktuellen Situation ist dies jedoch als langfristiges Vorhaben zu sehen, da sich MPK zuerst als eigenständige Einrichtung etablieren und entwickeln muss.

Anschließend an die Aufgaben und Zielvorstellungen möchte ich noch einige Punkte stellen, die MPK ausdrücklich nicht sein soll.

· MPK ist nicht der Komplize der Straßenkinder, wenn es darum geht, kriminelle Handlungen zu vertuschen, Diebesgut zu verstecken oder verkaufen.

· MPK ist kein Spion der Polizei, der Heime, der Familien. Informationen über die Kinder werden nur unter deren Einbeziehung und Einverständnis weitergegeben.

· MPK ist keine kostenlose Krabbelstube. Es muss zwar möglich sein, das Kinder ihre kleinen Geschwister mitbringen, auch wenn diese außerhalb der in der Zielgruppe festgelegten, Altersgrenzen liegen. Es kann jedoch nicht möglich sein, dass Betreuungsaufgaben und Verantwortung für Kleinkinder übernommen werden.

Zielgruppe

Das Angebot von MPK ist primär abgestimmt auf „Niñas y Niños de la calle“ (=Mädchen und Buben der Straße, vgl. C.5. Kinder der Straße – Niños de la Calle) im Alter von 8 bis 15 Jahren. Die Altersgrenzen sind als Richtwerte zu sehen und können im Einzelfall nach unten wie nach oben ausgeweitet werden. Entscheidend ist nur, dass das Zentrum für alle frei zugänglich bleibt. Daher muss auf der einen Seite acht gegeben werden, dass nicht eine Gruppe von Jugendlichen das Haus für sich vereinnahmt und sich so die Kleineren nicht mehr zu kommen getrauen. Auf der anderen Seite liegt die Gefahr darin, das sich das Projekt in Richtung Kindergarten entwickelt und so das eigentliche Zielpublikum abgeschreckt wird.
Obwohl wie erwähnt das Hauptaugenmerk auf Straßenkindern liegt und daher auch das Angebot dementsprechend gewählt ist, möchte ich klar festlegen, das MPK grundsätzlich von jeder/m besucht werden kann, die/der Lust dazu hat (solange das Alter sich in den obigen Grenzen bewegt).

Es ist ganz wichtig darzulegen, das nicht die BetreuerInnen von MPK die Bedürftigkeit bestimmen, sondern das Kind selbst.

Zeigt sich im Laufe des Betriebs, dass sich die Straßenkinder zu wenig angesprochen fühlen und daher ausbleiben, muss das Angebot dementsprechend angepasst werden. Hier muss man in der Praxis sehr schnell und flexibel reagieren.

Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass eine Mischung des Publikums entsteht, da z. B. arbeitende Kinder sehr stolz auf ihre Arbeit sind, Raub und Diebstahl verachten und sich daher stark von den Straßenkindern abgrenzen wollen, um nicht als solche gesehen zu werden (vgl. Estela 1994. S. 56.).